Bibelschule Mwika

Partnerschaftsprojekt Bibelschule Mwika

Hier können Sie sich einen Flyer mit näheren Informationen zu unserem Partnerschaftsprojekt herunterladen:

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Eine besondere Beziehung gibt es zwischen dem Dekanat Wunsiedel und Menschen, die in der Nähe des höchsten Berges in Afrika leben: Vor über 30 Jahren begann eine Partnerschaft mit der Bibelschule Mwika. Die Lutheran Bible School Mwika ist eine „Fachhochschule“ der evang. Kirche von Tansania (ELCT). Dort werden fast 200 junge Afrikanerinnen und Afrikaner zu Evangelisten, Lehrern, Pfarrern und Chorleitern ausgebildet. Diese Bildungseinrichtung besteht seit 1953 und liegt am Berghang des Kilimandscharo im Norden Tansanias.

Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Verbindung? Im Jahr 1975 wurde Hans Rösch, früher Pfarrer in Thiersheim, vom Missionswerk des evang. Kirche in Bayern zum Lehrer an die Bibelschule Mwika berufen und nach Tansania ausgesandt. Dies war der Auslöser für eine rege Partnerschaft, die auf der Luisenburg feierlich begonnen wurde. Ein zerbrochener Kriegspfeil wurde zum Symbol der Verbundenheit der Dekanate Wunsiedel und Weiden mit den Christen in Ostafrika. Eine Hälfte des Pfeils gelangte mit Pfarrer Rösch nach Tansania, die andere Hälfte blieb bei uns.

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Seit damals besteht eine lebendige Beziehung. Man schreibt sich Briefe und Mails, betet füreinander und hilft sich gegenseitig. So wurden auf dem Gelände der Bibelschule Wassertanks und ein Gästehaus errichtet, Speisesaal und Küche vergrößert, die Bücherei renoviert. Besonderen Rückhalt hat die Partnerschaft mit den afrikanischen Christen in der Kirchengemeinde Thiersheim. Handwerker haben freiwillige Arbeitseinsätze geleistet, der Posaunenchor gestaltete bei einer Chorreise ein Bläserseminar. Unvergesslich bleibt das Geschenk eines Traktors, der bis heute unseren Partnern wertvolle Dienste leistet. Die Bibelschule betreibt eine eigene Landwirtschaft, um bei der Versorgung der Studentinnen und Studenten nicht von teuren Nahrungsmitteleinkäufen abhängig zu sein.

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Wichtig sind die direkten Begegnungen bei wechselseitigen Besuchen. Dabei zeigt sich, was echte Partnerschaft ausmacht: Europäer und Afrikaner können und müssen voneinander lernen. Mission ist längst keine Einbahnstraße mehr. Wer die Christen aus Tansania erlebt hat, ist beeindruckt, wie fröhlich und mutig sie trotz der vielfältigen Probleme im Land ihr Leben führen und sich zu ihrer Kirche halten. Es täte uns Christen in Deutschland gut, wenn wir uns von der Lebendigkeit ihres Glaubens anstecken lassen.

Schon ein kleiner Blick auf den Alltag an der Bibelschule Mwika regt zum Nachdenken an: Die Studentinnen und Studenten erleben eine Schulgemeinschaft, die die für Afrika sehr prägenden Stammesgrenzen überschreitet. Durch praktische Mitarbeit in Stall, Küche und Haus gewinnen sie neben theologischen und pädagogischen Kenntnissen auch land- und hauswirtschaftliche Fähigkeiten. Schüler und Lehrer tragen gemeinsam für die Schule Verantwortung. Es ist selbstverständlich, dass jeder sich gemäß der eigenen Fähigkeiten einbringt, egal ob bei der Feldarbeit oder in der Küche, beim Putzen oder in der Bibliothek. Was alle verbindet, ist der christliche Glaube. Die täglichen Andachten sind alles andere als Pflichtübungen. Lobpreis- und Gebetszeiten finden intensive Ausdrucksformen. Gottesdienste an Schulfesten können vier Stunden dauern, ohne langweilig zu werden.

Als die Partnerschaft geknüpft wurde, war es der Wunsch der afrikanischen Christen, dass wir von Wunsiedel aus die Ausbildung von „Evangelisten“ unterstützen. Darunter sind allerdings keine Redner bei Großveranstaltungen zu verstehen (wie in den USA). In den afrikanischen Kirchen sind Evangelisten neben den Pfarrern die Gemeindemitarbeiter, die viele Besuche machen, ehrenamtliche Mitarbeiter fördern, Unterricht geben, Gottesdienste halten und praktische Sozialarbeit leisten. Sie sind als Träger der christlichen Hoffnung in den Dörfern und weitverstreuten Steppengebieten das Rückrat der Gemeindearbeit vor Ort, direkt bei den Menschen. Zur Finanzierung ihrer Ausbildung leisten die Kirchengemeinden im Dekanat Wunsiedel einen jährlichen Beitrag. Dafür sind regelmäßige Spenden und Kollekten nötig.

Eine besondere Einrichtung der Bibelschule Mwika ist das Sozialprojekt HuYaMwi. In der dicht bevölkerten Region in der Nähe von Moshi gibt es wie überall in Afrika eine große Zahl von Waisenkindern. Ursache ist oft die Immunschwächekrankheit AIDS. Durch die Initiative des bayrischen Pfarrers und Bibelschuldozenten Dr. Martin Burkhardt wurde zusammen mit einheimischen Christen ein Netzwerk zur Begleitung von Waisenkindern eingerichtet. Zur Zeit werden von HuYaMwi und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern aus örtlichen Kirchengemeinden fast 2.000 Kinder in ihren Heimatorten gezielt unterstützt. Dazu gehören gesundheitliche und rechtliche Beratung, Ausbildungsförderung, Starthilfe im Beruf sowie psychische und seelsorgerliche Betreuung. Es wird in der Regel abgewendet, dass die Kinder in Heimen untergebracht werden müssen. Diese sehr durchdachte kirchliche Sozialarbeit hat Modellcharakter und gibt wertvolle Impulse für ganz Tansania.

Betreut und organisatorisch getragen wird die Partnerschaft des Dekanates Wunsiedel mit der Bibelschule Mwika vom „Missionskreis“. In diesem Arbeitskreis für Partnerschaft, Entwicklung und Mission treffen sich regelmäßig die Beauftragten aus den einzelnen Kirchengemeinden des Dekanates und weitere Interessierte, die ein Herz für Afrika haben. Neue Teilnehmer sind immer herzlich willkommen! Die Mitglieder des Missionskreises sind zusammen mit dem Dekanatsmissionsbeauftragten und dem Dekanatsmissionspfarrer gern bereit, in Gemeindegruppen und Gottesdiensten über die Partnerschaft mit der Bibelschule Mwika zu informieren. So wird eine lebendige Beziehung zwischen dem fernen Afrika und den Kirchengemeinden im Dekanat geknüpft, die allen wertvolle Impulse gibt, die sich damit beschäftigen.

Werner Frohmader, Dekanatsmissionsbeauftragter

Jürgen Schödel, Dekanatsmissionspfarrer

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